Argentinien feiert WM-Halbfinalsieg mit umstrittenem Plakat und riskiert FIFA-Ärger
Nach dem emotionalen Halbfinalsieg bei der Weltmeisterschaft gegen England feierten die Spieler der argentinischen Nationalmannschaft mit einem politischen Banner, das nun Konsequenzen seitens des Weltfußballverbandes FIFA nach sich ziehen könnte. Das Plakat trug die Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“ („Die Malwinen sind argentinisch“) und wurde von Fans auf die Tribüne gebracht, bevor es den Spielern nach dem 2:1-Sieg überreicht wurde.
Dieser Vorfall ereignete sich im Atlanta Stadium im US-Bundesstaat Georgia, wo die Stimmung rund um die Partie zwischen den beiden Ländern aufgrund einer fast 45 Jahre andauernden Feindschaft besonders aufgeheizt war. Die Botschaft auf dem Banner bezieht sich auf den Falklandkrieg von 1982, der die argentinische Nation bis heute prägt und bei dem rund 1000 Soldaten ihr Leben verloren. Argentinien beansprucht die Inselgruppe im Südatlantik als eigenes Territorium, obwohl die Inseln seit 1833 britisches Überseegebiet sind und die Bewohner sich in einem Referendum im Jahr 2013 für die Zugehörigkeit zu Großbritannien entschieden haben.
Politische Spannungen vor und nach dem Spiel
Bereits vor dem Spiel hatte Argentiniens Vizepräsidentin Victoria Villarruel, deren Vater im Falklandkrieg für die Militärdiktatur Argentiniens kämpfte, auf X (ehemals Twitter) eine deutliche Haltung gegen England eingenommen. Sie bezeichnete die Engländer als „eindringende Piraten“ und betonte, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Spiel handele. Nach dem Sieg dankte Villarruel den Torschützen und dem gesamten Team mit einem Soldaten-Video und bekräftigte: „Das war kein Spiel wie jedes andere!“
Im Gegensatz dazu hatte Argentiniens Trainer Lionel Scaloni vor der Partie versucht, das Thema Falklandinseln von der Mannschaft fernzuhalten, um keine zusätzlichen Spannungen zu schüren. Auch Präsident Javier Milei äußerte sich nach dem Spiel versöhnlicher und betonte im Radiosender Radio Mitre, dass Fußball und der Falklandkonflikt nicht vermischt werden sollten. Er sprach davon, dass die Inseln durch „kluge Diplomatie“ und nicht durch „billige patriotische Gesten“ gewonnen würden.
Die Erinnerung an den Krieg ist in Argentinien jedoch weiterhin tief verwurzelt. Nationalspieler Leandro Paredes erklärte, dass sich die Mannschaft der Bedeutung des Spiels für das Land bewusst gewesen sei und versucht habe, das Land und all jene, die diesen „traurigen Moment unserer Geschichte“ miterlebt haben, zu repräsentieren.
Mögliche Konsequenzen durch die FIFA
Die FIFA verbietet Spielern und Offiziellen, politische Botschaften rund um Weltmeisterschaftsspiele zu präsentieren. Dies könnte für das argentinische Team nun ein Nachspiel haben. In der Vergangenheit wurde der argentinische Verband bereits im Jahr 2014 mit einer Geldstrafe von 30.000 Schweizer Franken belegt, weil Spieler bei einem Freundschaftsspiel gegen Slowenien ein ähnliches Banner gezeigt hatten.
Dem südamerikanischen Verband drohen massive Geldstrafen, und es sind sogar individuelle Sperren für das Finale möglich. Die Spieler Giovani Lo Celso und Lisandro Martínez wurden unter anderem dabei gesehen, wie sie das Banner hielten. Eine Sperre für Martínez, der als Innenverteidiger ein unumstrittener Stammspieler ist, könnte die „Albiceleste“ empfindlich treffen. Bei Lo Celso, der bisher nur in einem Vorrundenspiel gegen Jordanien zum Einsatz kam, wäre eine Sperre weniger gravierend, könnte aber den Anschein erwecken, die FIFA würde nur eine vorgetäuschte Härte zeigen.
Die FIFA stand in diesem Turnier bereits aufgrund anderer Vorwürfe in der Kritik, darunter Entscheidungen, die als vorteilhaft für Argentinien interpretiert wurden. Auch der „Fall Folarin Balogun“ und die Einmischung von Donald Trump bezüglich einer Rotsperre hatten dem Weltverband geschadet. Zuvor hatte die FIFA bereits auf eine politische Botschaft reagiert, als Haiti aufgrund einer kriegerischen Schlachtszene auf den Trikots diese ändern musste. Nun wird die Reaktion der FIFA auf das Falklandbanner genau beobachtet werden.
Die US-Behörden hatten das Halbfinale im Vorfeld als Hochrisikoereignis eingestuft und über 1.600 Einsatzkräfte rund um das Stadion eingesetzt, um Ausschreitungen oder politische Provokationen zu verhindern.
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Source: bild.de
