FIFA-Präsident Infantino unter Druck nach Boykottdrohungen und internem Widerstand
Die Pläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino, Investoren an einem neuen Tochterunternehmen zu beteiligen, stoßen auf erheblichen Widerstand. Nach einer Boykottdrohung der UEFA haben sich auch die CONCACAF und die AFC kritisch geäußert. Diese Kontinentalverbände repräsentieren zusammen eine Mehrheit der Stimmen innerhalb der FIFA.
Die vorgeschlagenen Investorenpläne sehen vor, bis zu 20 Prozent der Anteile an einem neuen Tochterunternehmen zu veräußern, das kommerzielle Rechte an FIFA-Wettbewerben halten würde. Dies hat zu Empörung geführt, insbesondere da die Vorbereitung des Deals offenbar ohne umfassende Konsultation erfolgte.
Widerstand aus eigenen Reihen und von Kontinentalverbänden
Der leitende Berater von Infantino, Carlos Cordeiro, ist aus Protest gegen die Investorenpläne zurückgetreten. Er bezeichnete den Vorschlag als „schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft des Sports“. Cordeiro betonte, dass er an diesem Vorschlag „in keiner Weise beteiligt“ gewesen sei, was die mangelnde Einbindung enger Berater unterstreicht.
Auch Kevin Lamour, Betriebsdirektor der FIFA, hat sich kritisch geäußert. Er warf Infantino vor, Mitarbeiter durch mangelnde Transparenz bei der Planung des Modells mit privaten Investoren „getäuscht“ zu haben. Lamour, der seit vielen Jahren mit Infantino zusammenarbeitet, erklärte, dass die Mitarbeiter „etwas Besseres verdient hätten als Verachtung und Einschüchterung“.
Die UEFA hatte bereits eine Boykottdrohung ausgesprochen, die bei anhaltendem Widerstand mehrere Turniere betreffen könnte. Dazu gehören die U20-WM der Frauen in Polen vom 5. bis 27. September, die U17-WM der Frauen in Marokko vom 17. Oktober bis 7. November und die U17-WM der Männer in Katar vom 19. November bis 13. Dezember. Im Jahr 2027 wären der Meisterpokal der Frauen in Miami vom 27. bis 31. Januar und die WM der Frauen in Brasilien vom 24. Juni bis 25. Juli betroffen.
Die AFC schloss sich der Kritik an und drückte Solidarität mit der UEFA aus. In ihrem Statement wurde das Vorgehen als Vertrauensuntergrabung in die Governance-Struktur der FIFA und als Schwächung der Autorität ihrer Gremien bezeichnet. Die AFC forderte, die aktuelle Situation als „Katalysator für eine Stärkung der institutionellen Reformen“ zu nutzen.
Reaktion der FIFA und frühere Pläne
Die FIFA reagierte auf die Kritik mit einem Statement, in dem sie die Pläne als bloßen Vorschlag darstellte und die Störung des Prozesses auf „fehlerhafte Medienberichte“ zurückführte. Es wurde bekannt, dass die FIFA den Mitgliedsverbänden eine Sonderzahlung von 20 Millionen US-Dollar in Aussicht stellte, falls diese den Plänen zustimmen würden, was als „demokratischer Prozess“ bezeichnet wurde.
Bereits im Jahr 2018 hatte Infantino ähnliche Pläne verfolgt, bei denen es um den Verkauf von FIFA-Rechten an Investoren ging, mutmaßlich aus Saudi-Arabien. Damals scheiterte das sogenannte „Project Trophy“, das die Klub-WM und eine weltweite Nations League umfasste, am Widerstand im FIFA Council. Der Schweizer Compliance-Experte Mark Pieth sprach damals von einem heimlichen „Raubzug“.
Die Präsidentin des norwegischen Verbandes, Lise Klaveness, eine langjährige Kritikerin Infantinos, äußerte, dass ihr klarer Eindruck sei, dass er „sehr viel Vertrauen verloren hat“. Infantino plant, sich im kommenden Jahr zur Wiederwahl zu stellen.

Die FIFA hatte mitgeteilt, durch den potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte, etwa an der WM, eine Milliardensumme einspielen und künftig allen 211 Verbänden mehr Geld auszahlen zu wollen.
Source: sportschau.de
