WM-Erkenntnisse: Yakin-Euphorie und Haaland-Hype prägen das Turnier
Schweizer Leistungen und individuelle Höhenflüge
Die kürzlich beendete Weltmeisterschaft hat zahlreiche Eindrücke hinterlassen, darunter die Euphorie um Murat Yakin und den Hype um Erling Haaland. Für die Schweizer Nationalmannschaft war es die beste WM ihrer Geschichte. Spieler wie Johan Manzambi, das aufregendste Schweizer Offensivtalent seit Xherdan Shaqiri, konnten sich einem breiten Publikum präsentieren. Auch Gregor Kobel trat endgültig aus dem Schatten von Yann Sommer hervor und wurde vom Daten-Anbieter Opta als bester Torhüter des Turniers bewertet. Ricardo Rodriguez wurde als bester Linksverteidiger eingestuft, während Granit Xhaka, Manzambi und Ruben Vargas ebenfalls Top-5-Bewertungen in ihren Kategorien erhielten.
Granit Xhaka zeigte sich als Anführer alter Schule, was nicht immer allen im Team passte, aber letztlich zum Erfolg der Nati beitrug. Trotz einiger Kontroversen, wie dem „Badewannen-Vorfall“ und dem Vorwurf eines gefälschten Covid-Zertifikats, bleibt Breel Embolo ein beliebter Spieler in der Schweizer Sportwelt. Auch Trainer Murat Yakin sorgte für Aufsehen und wurde sogar von der New York Times als „Sexsymbol“ bezeichnet.
Ein Spieler, der während der WM besonders an Profil gewann, war Erling Haaland, obwohl er nicht direkt am Turnier teilnahm. Seine Popularität und die Ruder-Aktion der Norweger, die von einem Influencer erfunden wurde, zeigten seinen Einfluss. Im Gegensatz dazu stand die herzliche Beziehung zwischen dem algerischen Team und seinen Gastgebern in Lawrence, Kansas, die die verbindende Kraft des Sports unterstrich.
Kontroversen und die Rolle der FIFA
Die WM war auch von Widersprüchen geprägt. Die FIFA geriet wegen verschiedener Entscheidungen in die Kritik, darunter die Anpassung der Trinkpausen an Werbeblöcke und die Länge der Halbzeit-Shows. Auch die Wahrung der politischen Neutralität des Sports wurde infrage gestellt, insbesondere im Fall des sogenannten FIFA-Friedenspreises. Die FIFA brach zudem ihre eigenen Regeln im Fall von Folarin Balogun, der unverschuldet in eine „Schmierenkomödie“ geriet, diese aber würdevoll meisterte. Selbst Sepp Blatter kritisierte die FIFA wegen mangelnder Integrität, was als „Witz des Sommers“ bezeichnet wurde.
Die Entscheidung, Hydration Breaks anzuordnen, obwohl es in Vancouver nur 18 Grad hatte, wurde ebenfalls als humorvoll empfunden. Der damalige US-Präsident Donald Trump rief FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen eines gesperrten Stürmers an, während Infantino es vorzog, Trump nicht anzurufen, als der somalische WM-Schiedsrichter Omar Artan nicht in die USA einreisen durfte. Trotz dieser Kontroversen funktionierten einige FIFA-Anpassungen, wie die Regeln für weniger Zeitspiel und mehr Spielfluss.
Die WM war die längste in der Geschichte und hinterließ neben einem verdienten Weltmeister auch viele Fragen. Die Spiele, die teilweise um drei oder fünf Uhr morgens stattfanden, waren für einige Zuschauer eine Herausforderung. Es gab auch kuriose Szenen, wie Tore, die entstanden, weil der Ball am Kamera-Kabel hängen blieb, oder Zweitliga-Torhüter, die mit vierzig Jahren noch Messi-Freistöße parierten. Trotz aller Kritik betonte Omid Nouripour, dass die Liebe zum Fußball bestehen bleibt, ungeachtet der Verfehlungen abseits des Platzes.
Internationale Eindrücke und Fan-Kultur
Die WM bot auch Einblicke in die internationale Fan-Kultur. Die Schotten sorgten in Boston für gute Stimmung, ohne dass es zu Schlägereien oder Sachbeschädigungen kam. Die Norweger begeisterten mit ihrer Ruder-Choreografie. Die Engländer sangen „Wonderwall“ und ihre „W.Nuss vo Bümpliz“, doch selbst ein deutscher Nationaltrainer konnte ihnen die Angst vor dem Verlieren nicht nehmen. Die Spanier feierten ihren WM-Titel ausgelassen und legten mit 16.601 Flugkilometern die größte Reisebilanz eines Teams zurück. FIFA-Boss Infantino übertraf dies jedoch mit fast 95.000 Flugkilometern, was zwei Weltumrundungen entspricht.
Die WM zeigte, dass Fußball sich in die US-amerikanische Sportkultur dribbelte. An der Supermarktkasse wurde über Abseits geredet, und die TV-Quoten waren so hoch wie bei wichtigen NFL-Spielen. Auf Bordbildschirmen in Flugzeugen wurden die Spiele live übertragen. Die USA präsentierten sich als offene, neugierige und gastfreundliche Nation, deren Bewohner die Gäste baten, sie nicht mit ihrem Präsidenten zu verwechseln. Die Gäste brachten gute Stimmung mit, die Schotten tranken, die Norweger ruderten, und die Argentinier sangen sich durch das Turnier. Die Deutschen schieden aus, aber „Freddy“ ging viral, indem er Fast-Food-Lokale abfeierte. Die Welt war zu Besuch, und die Amerikaner waren froh darüber.
Die WM war „gross, zuweilen grossartig, aber ganz sicher in jeglicher Hinsicht gross“. Von den 16 Teams, die ohne die WM-Vergrößerung nicht dabei gewesen wären, erreichte Paraguay das Achtelfinale. Im Schnitt holten die 16 zusätzlichen Nationen 0,7 Punkte pro Spiel. Die Weltmeisterschaft endete mit der Erkenntnis, dass der Fußball trotz aller Widrigkeiten und Kontroversen seine verbindende Kraft behält und die Fans ihn sich nicht nehmen lassen.
Read Also
Source: blick.ch
