England und Wales ziehen Unterstützung für Infantino zurück
Der Widerstand gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino wächst, nachdem sowohl der englische als auch der walisische Fußballverband ihre Unterstützung für seine Wiederwahl zurückgezogen haben. Der walisische Fußballverband (FAW) hat seine Entscheidung bereits schriftlich der FIFA mitgeteilt, während der englische Fußballverband (FA) ebenfalls ein entsprechendes Schreiben vorbereitet.
Der FAW begründete seinen Schritt mit „jüngsten Defiziten in den Bereichen verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozesse, Führung, Werte, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen“, die dazu geführt hätten, dass Infantino das Vertrauen des Verbandes verloren habe. Die mangelnde Priorisierung des Wohls des Fußballs sei ein Versagen, das nicht akzeptiert werden könne.
Kritik an Infantinos Plänen und mögliche Konsequenzen
Die Entscheidung der Verbände folgt auf massive Kritik an Infantinos Plänen, Anteile an den kommerziellen Rechten der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen. Diese Pläne, die eine Milliardensumme einbringen sollten, wurden nach weltweitem Entsetzen und scharfer Kritik, unter anderem von der UEFA, zurückgezogen. Infantino hatte geplant, mit dem potenziellen Verkauf von bis zu 20 Prozent der kommerziellen FIFA-Rechte bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar einzuspielen. Für die Umsetzung sollte das Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) gegründet werden, dessen Führung der Technologieinvestor Joshua Kushner übernehmen sollte.
Die UEFA droht Infantino Medienberichten zufolge mit rechtlichen Schritten und hat ihn aufgefordert, sämtliches Material im Zusammenhang mit dem Vorhaben nicht zu vernichten. Die UEFA prüft aktiv die Einleitung rechtlicher Schritte, eines Schiedsverfahrens und/oder Beschwerden bei den zuständigen Aufsichtsbehörden.
Der Druck auf den seit 2016 amtierenden FIFA-Chef nimmt zu, und es wird über seine Zukunft an der Spitze des Weltverbandes diskutiert. Einige fordern seinen Rücktritt, darunter der Chef der spanischen Fußballliga, Javier Tebas, und der britische Premier Andy Burnham.
Wahlen und mögliche Herausforderer
Die nächste Wahl des FIFA-Präsidenten findet am 18. März 2027 beim 77. FIFA-Kongress in Rabat, Marokko, statt. Infantino möchte sich dort ein letztes Mal für vier Jahre zum Präsidenten wählen lassen. Bis zum 18. November können Kandidaten ihre Bewerbungen einreichen.
Es gibt bereits mehrere Namen, die als mögliche Herausforderer gehandelt werden. Dazu gehören UEFA-Boss Aleksander Ceferin, der asiatische Verbands-Boss Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa, Victor Montagliani, Präsident des für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständigen Kontinentalverbands Concacaf, und Mattias Grafström, FIFA-Generalsekretär.
Ein früherer Wechsel an der FIFA-Spitze ist ebenfalls denkbar. Theoretisch könnte Infantino seinen Posten vor der regulären Wahl verlieren, wenn 43 der 211 FIFA-Mitglieder einen außerordentlichen Kongress beantragen und eine Mehrheit für ein Misstrauensvotum gegen ihn stimmt. Eine andere Möglichkeit wäre, dass der FIFA-Rat eine Krisensitzung einberuft, um über die Zukunft des Präsidenten zu beraten. Sollten mindestens 19 der 37 Mitglieder dafür stimmen, müsste es binnen zwei Wochen ein Treffen geben, wobei Infantino eine Rücktrittsaufforderung ablehnen könnte.
Die Concacaf, die eigentlich hinter Infantino stand, zeigte sich ebenfalls verärgert über die Investorenpläne. Lise Klaveness, die norwegische Verbandschefin, kritisierte die Investorenpläne besonders deutlich und äußerte, dass Infantino viel Vertrauen verloren habe. Nasser Al-Khelaifi, der Vorsitzende der Interessenvertretung European Football Clubs (EFC) und Präsident von Paris Saint-Germain, hat jedoch bereits mitgeteilt, dass er kein Interesse daran hat, Infantino an der FIFA-Spitze nachzufolgen.
Source: bild.de
