Uefa erwägt Boykott von Wettbewerben der Fifa - BILD
Uefa erwägt Boykott von Wettbewerben der Fifa - BILD

Uefa erwägt Boykott von Fifa-Wettbewerben nach Privatisierungsplänen

Die Uefa erwägt Berichten zufolge einen Boykott von Fifa-Wettbewerben, darunter die Weltmeisterschaft und die Klub-Weltmeisterschaft. Dies geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hervor, der nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Pläne von Fifa-Präsident Gianni Infantino zur Privatisierung der Fußball-WM veröffentlicht wurde.

Die Pläne sehen vor, dass Investoren aus der Wirtschaft in die Fußball-WM einbezogen werden, indem Anteile an den kommerziellen Rechten der wichtigsten Fifa-Wettbewerbe, einschließlich der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM, verkauft werden. Ein solches Vorgehen könnte den Druck erhöhen, das Teilnehmerfeld der WM weiter auszubauen oder das Turnier häufiger auszutragen.

Reaktion der Uefa auf die Pläne

Die Uefa hat bereits Gespräche darüber geführt, wie Vereine und Mitgliedsverbände Fifa-Veranstaltungen boykottieren könnten. Ein Boykott würde bedeuten, dass europäische Top-Nationen wie Deutschland oder Spanien nicht an einer WM-Endrunde teilnehmen würden. Beim jüngsten Turnier in den USA, Kanada und Mexiko stammten sechs der acht Viertelfinalisten aus Europa.

In einer Stellungnahme äußerte sich die Uefa kritisch zu den Fifa-Plänen: „Damit wird eine Grenze überschritten, die die wichtigsten Instanzen des Fußballs nie überschreiten sollten.“ Die Uefa nehme die Angelegenheit äußerst ernst und fordere dies auch von nationalen Fußballverbänden, Ligen, Klubs, Spielern, Fans und Regierungen, denen die Zukunft des Fußballs am Herzen liegt.

Die Uefa betonte zudem, dass die Seele und die Führung des Fußballs keine handelbaren Vermögenswerte seien, insbesondere wenn es keine Transparenz darüber gebe, wer finanziell profitiere. Der Fußball sei niemandes Eigentum und es sei nicht Sache der Fifa, ihn zu verkaufen.

Hintergrund der Privatisierungspläne

Gianni Infantino plant, die Fußball-WM zu verkaufen, indem Investoren Minderheitsanteile ohne Kontrollbefugnisse erwerben. Die Fifa würde dabei Mehrheitsgesellschafter bleiben. Alle 211 Fifa-Mitgliedsverbände sollen ebenfalls kleinere Anteile erhalten, die behalten oder verkauft werden könnten.

Die Fifa verspricht, dass die WM-Endrunde unter ihrer Kontrolle bleibt und die Pläne erhebliche wirtschaftliche und infrastrukturelle Vorteile für die Mitglieder mit sich bringen. Private Investoren sollen zunächst 20 bis 30 Prozent der Anteile erwerben und dafür mehrere Milliarden US-Dollar zahlen. Die Fifa erklärt, dass dadurch mehr als vier Milliarden erlöst werden sollen.

Diese Entwicklungen sind Teil eines länger schwelenden Konflikts zwischen den beiden großen Verbänden. Bereits die Einführung der Klub-WM im vergangenen Jahr, bei der insgesamt eine Milliarde US-Dollar an die 32 teilnehmenden Mannschaften ausgeschüttet wurde, wurde von der Uefa als direkter Angriff auf die Champions League wahrgenommen. Auch die zunehmende Belastung für Spieler durch immer vollere Terminkalender ist ein wiederkehrendes Thema.

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Will nächstes Jahr wiedergewählt werden: Gianni Infantino.(Foto:picture alliance / Kyodo) Credit: n-tv.de

Bedenken und mögliche Auswirkungen

Die europäischen Top-Klubs und Spieler wie Weltmeister Rodri von Manchester City beklagen seit Langem eine Überlastung der Spieler und warnen vor einer zunehmenden Verletzungsgefahr. Die Fifa-Pläne könnten weitere Kommerzialisierungsschritte bei der WM-Endrunde nach sich ziehen.

Infantino zeigte sich offen für die Idee, das jüngst auf 48 Teilnehmer erweiterte Starterfeld auf 64 Mannschaften auszuweiten. Dies könnte ein Turnier mit 16 Gruppen und insgesamt 128 Spielen bedeuten, was doppelt so viele Spiele wären wie bei der WM vor vier Jahren in Katar. Fast jede dritte Nationalmannschaft der Welt wäre dann beim Finalturnier vertreten.

Die möglichen Auswirkungen der Investorenpläne sind weitreichend. Ein namentlich nicht genannter Insider sprach gegenüber der Times von einer „Atombombe“ für den Weltfußball. Bislang gibt es von der Uefa, auch auf Nachfrage, noch kein offizielles Statement zu eventuellen Boykott-Plänen, und die Fifa hält sich öffentlich noch zurück.

Source: bild.de

Sebastian Roth

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.

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