Argentinien sichert sich Last-Minute-Sieg gegen England und zieht ins WM-Finale ein
Argentinien hat sich in einem dramatischen Halbfinale gegen England durchgesetzt und steht im WM-Finale. Das Team von Trainer Lionel Scaloni drehte die Partie in den Schlussminuten und gewann mit 2:1 (0:0). Für England bedeutet dies, dass sie weiterhin auf ihr erstes WM-Endspiel seit 1966 warten müssen.
Die Begegnung in Atlanta war von Beginn an von Intensität geprägt. Der US-amerikanische Schiedsrichter Ismail Elfath stand früh im Mittelpunkt, da die Partie mit einer Reihe von Nickeligkeiten und Fouls begann. Bereits nach einer Minute leistete sich Leandro Paredes eine erste Unsportlichkeit, gefolgt von Enzo Fernández, der seinen Ellenbogen im Nacken von Anthony Gordon platzierte, was zu einer ersten Rudelbildung führte. Trotz der hitzigen Atmosphäre verzichtete Elfath zunächst auf Gelbe Karten und beließ es bei Ermahnungen, auch für Giuliano Simeone nach einem überharten Einsteigen.
Die englische Mannschaft wehrte sich gegen die anfängliche Aggressivität der Argentinier. Spieler wie Morgan Rodgers, Jude Bellingham und Torhüter Jordan Pickford setzten erste Akzente. Die Rivalität zwischen den beiden Nationen, die auf legendäre WM-Duelle seit 1966 und politische Spannungen zurückgeht, war in jeder Sekunde spürbar. Trainer Thomas Tuchel zeigte sich an der Seitenlinie zunehmend fassungslos, pendelnd zwischen Wutausbrüchen und ironischem Abwinken.
Hitzige erste Hälfte und englische Führung
In der ersten halben Stunde war der Fußball eher zweitrangig, mit einem Torschussverhältnis von 0:0. Die erste Torannäherung der Partie ergab sich in der 37. Minute, als Lionel Messi nach einem Solo, das an Diego Maradonas Jahrhundert-Tor von 1986 erinnerte, von Elliot Anderson gefoult wurde. Der daraus resultierende Freistoß führte zu einem Distanzschuss von Enzo Fernández, der knapp am Tor vorbeistrich.
Kurz vor der Halbzeit erhielt auch ein Spieler der Albiceleste eine Gelbe Karte, als Lisandro Martínez einen Konter über Bellingham durch Trikotziehen stoppte. Zur Halbzeit standen drei Torschüssen insgesamt 19 Fouls gegenüber, wobei Argentinien mit 12:7 Fouls in Führung lag.
Nach der Pause schien Argentinien mit der Absicht auf den Platz zurückzukehren, mehr fußballerische Qualität zu zeigen. Dies führte zu einer Doppelchance für Julián Álvarez, der jedoch an Pickford scheiterte und dann das Außennetz traf. Nach etwa 50 Minuten hatte die Partie 20 Fouls zu verzeichnen, aber immer noch kein Tor.
Die Führung für England erzielte Anthony Gordon in der 55. Minute. Harry Kane, der bis dahin kaum Ballkontakte hatte, leitete den Angriff mit einem langen Pass ein. Über Declan Rice und Rodgers gelangte der Ball zu Gordon, der am linken Pfosten schneller war als Nahuel Molina und zum 1:0 einschob.
Argentiniens späte Wende
Nach dem Führungstreffer zog sich England weit zurück und agierte teilweise mit einer Siebenerkette an der eigenen Strafraumgrenze. Trainer Tuchel versuchte gestenreich, sein Team wieder nach vorne zu beordern, doch der Rückzug hatte fast Folgen. Der kurz zuvor eingewechselte Nicolás González setzte sich im Kopfballduell gegen Marc Guéhi durch, doch Pickford parierte glänzend.
Der englische Torhüter geriet unter Dauerbeschuss, und die Three Lions fanden keine Entlastung mehr. Kane, Bellingham und Rice verloren die Bälle schnell wieder. Neben Pickford half auch das Glück: Alexis Mac Allister scheiterte einmal per Kopf am Keeper und traf dann den Innenpfosten. Der Druck auf England wurde immer größer, und die Hilferufe von Pickford und Tuchel verhallten.
Fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit bestrafte Enzo Fernández den kollektiven Rückzug der Engländer. Messi wurde auf der rechten Seite nicht angegriffen und spielte einen Pass auf Fernández, der vor dem Strafraum zu viel Platz hatte und aus der Distanz traf. Pickford war geschlagen.
In der Nachspielzeit traf Mac Allister erneut den Pfosten. Sekunden später hatte Messi auf der rechten Außenbahn wieder keinen Gegenspieler. Er schlug eine Flanke, und der zehn Minuten vor Schluss eingewechselte Lautaro Martínez köpfte Argentinien in der 90.+1 Minute zum 2:1-Sieg. Lionel Messi bereitete beide Tore vor und steht bei seiner sechsten WM-Teilnahme nun zum dritten Mal im Finale. Am Sonntag um 21 Uhr MESZ treffen die Argentinier auf Spanien, die ihr Halbfinale mit 2:0 gegen Frankreich gewannen.
Reaktionen nach dem Spiel
Lionel Scaloni zeigte sich nach dem Schlusspfiff begeistert: „Diese Gruppe überrascht mich immer wieder aufs Neue. Es ist schwierig zu erklären. Schaut euch diese Fans an. Wir sind einzigartig, das ist keine Arroganz. Dieses Trikot gibt alles bis zum Ende, lässt alle Kräfte auf dem Platz.“
Englands Kapitän Harry Kane hingegen wirkte ratlos: „Das ist natürlich sehr traurig für uns, für die Fans. Wir haben so hart gearbeitet, so sehr gekämpft. Aber wir haben am Ende leider einfach die Kontrolle verloren und keinen Druck mehr gegen den Ball gemacht. So wollten wir nicht spielen, aber wir haben es nicht anders hinbekommen.“
Die Partie war das sechste Aufeinandertreffen der beiden Nationen bei einer Weltmeisterschaft. Schon im Achtelfinale gegen Ägypten hatte Argentinien einen 0:2-Rückstand gedreht und die Partie innerhalb von 13 Minuten gewonnen. Das Finale findet am Sonntag um 21 Uhr MESZ statt.
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Source: sportschau.de
