Beschwerde gegen FIFA-Boss Infantino beim IOC eingereicht
Die britische Menschenrechtsorganisation FairSquare hat eine offizielle Beschwerde gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht. Der Vorwurf lautet, Infantino habe mehrfach gegen die Regeln zur politischen Neutralität des IOC verstoßen. Die Organisation verweist auf fünf eindeutige Verstöße, für die es nach eigenen Angaben überzeugende Beweise gibt, sowie auf Anscheinsbeweise für zwei weitere.
Im Zentrum der Vorwürfe steht die angebliche politische Unterstützung, die Infantino dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump angeboten haben soll. Eine der Hauptkritikpunkte betrifft den WM 2026-Skandal um die aufgehobene Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun. FairSquare deutet an, dass es sich dabei um eine mögliche Nachgiebigkeit gegenüber politischem Druck von Präsident Trump handeln könnte, um die Disziplinarregeln der FIFA für das Spielgeschehen während der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2026 zu umgehen.
Verstöße gegen die Neutralität
Ein weiterer Vorwurf bezieht sich auf die Werbung von Infantino für eine FIFA-Fanseite. Diese Seite soll mit einer Datensammelkampagne in Verbindung stehen, die wiederum mit der Trump-Regierung zusammenhängt. Die FIFA veranstaltet gemeinsam mit der Organisation Freedom 250 eine Fanzone inklusive Public Viewing vor dem Kapitol in Washington D.C. Infantino hatte diese Zusammenarbeit bereits Ende Mai als „außergewöhnlich“ beworben.
Die Organisation Freedom 250 wurde unter Trump ins Leben gerufen, um die Feierlichkeiten rund um den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten nach den Vorstellungen des Präsidenten zu gestalten, anstatt überparteilich zu sein, wie ursprünglich geplant. Organisiert wird dies von Brad Parscale, Trumps Digitalstrategen, und dessen Firma Campaign Nucleus. Für die Teilnahme an der Fanzone müssen sich alle Besucher vorab digital registrieren und dabei persönliche Daten wie Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Postleitzahl und Wohnort an Trumps Digitalstrategen weitergeben.
Nick McGeehan, der Gründer von FairSquare, bezeichnete die Zusammenarbeit der FIFA mit der Digitalfirma als „einen weiteren unverhohlenen, schamlosen Regelbruch“. Er betonte, dass durch solche Verstrickungen „wesentlicher, politischer Druck“ entstehen kann. Die Beschwerde legt nahe, dass Infantino durch diese Handlungen die politischen Neutralitätsregeln des IOC verletzt hat.

Hintergrund und frühere Beschwerden
Gianni Infantino ist seit Januar 2020 Mitglied des IOC. Mit seiner Aufnahme verpflichtete er sich, den Ethikkodex des IOC einzuhalten. Dieser Kodex schreibt unter anderem vor, dass Mitglieder unabhängig von kommerziellen und politischen Interessen handeln müssen. Ein Verstoß gegen diese Regeln kann zum Ausschluss der Person aus dem IOC führen.
Bereits vor der aktuellen WM hatte FairSquare eine ähnliche Beschwerde bei der Ethikkommission der FIFA eingereicht. Diese frühere Beschwerde wurde später auch vom norwegischen Verband und von Mitgliedern des Europäischen Parlaments unterstützt. Kurz nach der Verleihung des FIFA-Friedenspreises durch Infantino an Trump im vergangenen Dezember reichte FairSquare ebenfalls eine offizielle Beschwerde bei der Ethikkommission der FIFA ein. Dieser schlossen sich Norwegens Fußballverband sowie 50 Abgeordnete des Europäischen Parlaments an.
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hatte in der vergangenen Woche bereits erklärt, dass sich die IOC-Ethikkommission mit Infantino und Trump beschäftigen werde, sobald eine Beschwerde vorliegt. Das IOC hatte erst Ende Juni die Unabhängigkeit des olympischen Sports von staatlichem, gesellschaftlichem oder wirtschaftlichem Druck in seiner Charta betonen lassen, was die Relevanz dieser Beschwerde unterstreicht.
Read Also
Source: bild.de
