Pogacar gewinnt fünfte Tour de France und schreibt Radsportgeschichte
Pogacars historischer fünfter Sieg
Tadej Pogacar hat die Tour de France zum fünften Mal gewonnen und sich damit in die Riege der erfolgreichsten Radsportler der Geschichte eingereiht. Der 27-Jährige ist der fünfte Profi, der diesen Meilenstein erreicht, und dabei der jüngste unter den fünffachen Siegern. Mit diesem Erfolg stellt er sich auf eine Stufe mit Legenden wie Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain.
Pogacar äußerte sich nach seinem Sieg begeistert: „Was für ein unglaublicher Tag, ich bin sprachlos. Eine unglaubliche Atmosphäre! Ich bin froh, dass es vorbei ist und wir zum fünften Mal gewonnen haben. Siebenmal die Tour, siebenmal auf dem Podium, das kann man in kein Drehbuch schreiben. Das ist auch für mich unglaublich. Das Wichtigste ist, dass du genießt, was du tust. Wenn du an dich glaubst, kannst du deine Träume wahrmachen.“
Sein Sieg in der Gesamtwertung war mit einem Vorsprung von 6:26 Minuten auf Remco Evenepoel der größte, den er bei seinen Triumphen bisher herausfahren konnte. Diese Dominanz zeigte sich über die gesamte Rundfahrt hinweg, von der zweiten Etappe am Olympiaberg in Barcelona bis zur Königsetappe in Alpe d’Huez.
Die letzte Etappe und weitere Auszeichnungen
Die 21. und letzte Etappe der Tour de France 2026, die traditionell auf der Champs-Élysées endete, wurde von 133 auf 89 Kilometer verkürzt. Grund dafür war ein Mangel an Polizeikräften in Paris, da diese zur Bekämpfung von Waldbränden im Südwesten des Landes abkommandiert wurden. Trotz der Verkürzung blieb der Anstieg zur Basilika Sacré-Cœur Teil der Strecke, ein Abschnitt, der bereits bei den Olympischen Spielen 2024 Kultstatus erlangte.
Den Etappensieg auf den Champs-Élysées sicherte sich der Niederländer Mathieu van der Poel. Er setzte sich wenige Kilometer vor dem Ziel von Pogacar ab und rettete seinen zweiten Etappensieg um wenige Zentimeter über die Ziellinie. Pogacar wurde auf dieser Etappe auf Rang 30 durchgereicht. Van der Poel zeigte sich erleichtert: „Letztes Jahr war ich krank und musste die Etappe im Fernsehen schauen. Jetzt gewinne ich, das ist ein Traum.“
Neben Pogacars Gesamtsieg wurden weitere Auszeichnungen vergeben. Der Däne Mads Pedersen vom Team Lidl Trek sicherte sich das Sprinttrikot. Als bester Bergfahrer wurde der Ecuadorianer Richard Carapaz geehrt. Das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers ging an den Mexikaner Isaac del Toro vom Team UAE Emirates, der damit Florian Lipowitz ablöste. Die Mannschaftswertung gewann das deutsche Team Lidl Trek, obwohl kein deutscher Fahrer im Aufgebot stand. Der beste deutsche Fahrer in der Gesamtwertung war Felix Engelhardt auf Platz 70.
Pogacars neue Facetten und die Dramen der Tour
Bei dieser Tour de France zeigte Tadej Pogacar neue Facetten. Er präsentierte sich nicht nur als unersättliche Siegmaschine, sondern auch als fürsorglicher Mentor für seinen Teamkollegen Isaac del Toro. Dies zeigte sich beispielsweise, als er eigene Erfolgschancen zurückstellte, um del Toro den Tagessieg in Barcelona zu überlassen oder seinen dritten Gesamtrang auf der 20. Etappe in Alpe d’Huez zu sichern. Pogacar selbst bezeichnete das Finale in Barcelona als ein Highlight der Tour und sagte, er werde die letzten 200 Meter der zweiten Etappe nie vergessen.
Die Tour de France 2026 war auch von mehreren Stürzen geprägt, die das Rennen in eine andere Perspektive rückten. Die Ausfälle von Jonas Vingegaard und Florian Lipowitz führten dazu, dass der Kampf um die Podiumsplätze hinter Pogacar von einem Fünfkampf zu einem Duell zwischen del Toro und Paul Seixas um Platz drei wurde. Besonders dramatisch waren die Beinahe-Unfälle von Sepp Kuss, der auf dem Weg nach Alpe d’Huez nur anderthalb Meter vom Sturz in den Abgrund entfernt war, und Einer Rubio, der sich an einer zersplitternden Heckscheibe hätte verletzen können. Diese Vorfälle erinnerten an die extremen Risiken des Radsports.
Für die deutschen Starter gab es bei der Tour 2026 wenig Grund zur Freude, da die Durststrecke ohne Etappensieg anhielt. Der letzte deutsche Etappensieg liegt fünf Jahre zurück, als Nils Politt 2021 in Nîmes gewann. Trotz einiger Achtungserfolge von Sprinter Max Kanter konnte kein deutscher Fahrer einen Tagessieg verbuchen. Auch große Radsportnationen wie Frankreich, Spanien und Italien blieben ohne Etappensieg, was eine historische Premiere darstellte, da seit dem Beginn der Tour de France 1903 noch nie alle drei dieser „Gründungsnationen“ ohne Erfolg blieben.
Es wird spekuliert, dass Tadej Pogacar möglicherweise schon bald wieder in Aktion tritt. Er soll dem spanischen König Felipe VI. zugesagt haben, ab dem 22. August bei der Vuelta zu starten, einer Rundfahrt, die noch in seiner Liste der Triumphe fehlt.
Source: bild.de
