Deschamps äußert sich nach WM-Halbfinal-Aus kritisch über Schiedsrichterleistung
Nach der Niederlage im WM-Halbfinale gegen Spanien hat Didier Deschamps, der Trainer der französischen Nationalmannschaft, die Leistung des Schiedsrichters Ivan Barton infrage gestellt. Obwohl Deschamps betonte, dass der Schiedsrichter nicht der Hauptgrund für die Niederlage gewesen sei, äußerte er Bedenken hinsichtlich dessen Eignung für ein solch entscheidendes Spiel. Die Partie endete mit einer 0:2-Niederlage für Frankreich, wodurch der Traum vom zweiten WM-Titel für die Franzosen platzte.
Deschamps, der 1998 als Spieler und 2018 als Trainer Weltmeister wurde, wird den französischen Verband nach dem Turnier verlassen. Dies hatte er bereits vor der Weltmeisterschaft angekündigt. Das Spiel um Platz drei am Samstag wird sein letztes als Trainer der französischen Nationalmannschaft sein. Mit dem Halbfinale in Dallas absolvierte Deschamps sein 26. WM-Spiel als Trainer und übertraf damit den früheren Bundestrainer Helmut Schön als Rekordhalter.
Deschamps‘ Kritik und die Leistung des Schiedsrichters
Unmittelbar nach dem Abpfiff und später auf der Pressekonferenz stellte Deschamps die Frage: „Hatte er die Klasse für ein WM-Halbfinale?“ Er fügte hinzu, dass er diese Frage nicht beantworten werde, aber es habe „einige Entscheidungen“ gegeben, die „mehr als fragwürdig“ gewesen seien. Trotz dieser Äußerungen betonte Deschamps, dass er keine Ausreden suchen wolle und die Schuld primär bei der eigenen Mannschaft liege.
Der Schiedsrichter Ivan Barton aus El Salvador pfiff in der ersten Hälfte einen Elfmeter für Spanien, der zur Führung der Spanier führte. Dieser Elfmeter wurde als „völlig unzweifelhaft“ beschrieben. Zuvor hatte Frankreichs Michael Olise Glück, dass er nach einem harten Einsteigen gegen Rodri lediglich eine mündliche Verwarnung erhielt. Laut dem Schiedsrichterexperten Patrick Ittrich hätte diese Aktion das Zeug für eine Rote Karte gehabt. Barton hatte vor dem Halbfinale bereits drei Einsätze bei der Weltmeisterschaft und zeigte dabei souveräne bis sehr gute Leistungen. Auch bei der WM 2022 war er dreimal im Einsatz und pfiff unter anderem den deutschen WM-Auftakt.
Eine kuriose Szene ereignete sich im Halbfinale, als Barton vor einem Freistoß für Spanien in der Anfangsphase von einem Assistenten ein Freistoßspray gereicht bekommen musste. Es blieb unklar, ob er seines vergessen oder verloren hatte. Trotz der Kritik von Deschamps hatte Barton in der überraschend einseitigen Partie keinen entscheidenden Einfluss auf das Spielgeschehen. Deschamps räumte ein, dass Spanien an diesem Tag auf einem anderen Niveau gespielt habe und die eigene Mannschaft schwach gewesen sei.
Analyse der französischen Leistung
Deschamps gestand ein, dass die französische Mannschaft „schwach“ gewesen sei und Spanien sie an ihrem Spiel gehindert habe. Er merkte an, dass die Mannschaft technisch nicht gut gewesen sei und gezwungen war, zu verteidigen, ohne dem Gegner genügend Probleme bereiten zu können. „Zuerst einmal war es unsere Schuld, ich will keine Ausreden suchen“, stellte Deschamps klar. Auch keiner seiner Spieler suchte unmittelbar nach Abpfiff die Schuld beim Schiedsrichter.
Die Franzosen scheiterten nicht nur an den brillant aufspielenden Spaniern, sondern auch an sich selbst. Das Team war nicht in der Lage, seine „Liebe zum schönen Spiel“ abzulegen und sich gegen einen hoch anlaufenden Gegner der langen Bälle zu bedienen. Vom erfrischenden Angriffsfußball, mit dem Les Bleus ins Halbfinale gestürmt waren, war über die gesamte Distanz nichts zu sehen. Frankreich kam nie ins Tempo, hatte wenige Ideen und spielte Fehlpässe, die man sonst nicht von ihnen kennt.
Insbesondere die Offensive um Kylian Mbappé, Michael Olise und Ousmane Dembelé war gegen Spanien kaum ein Faktor. Mbappé mühte sich zwar, war aber weitgehend allein. Olise und Dembelé blieben unauffällig. Auch die Wechsel von Deschamps, der bereits nach 72 Minuten sein Wechselkontingent ausgeschöpft hatte, verpufften wirkungslos. Nur die Herausnahme von William Saliba in der 30. Minute war verletzungsbedingt. Die anderen Wechsel sollten die Statik des Spiels verändern, doch die Maßnahmen liefen ins Leere.
Die Niederlage sollte Les Bleus eine Warnung für die Zukunft sein. Das Team muss lernen, während einer Partie in einen anderen Modus wechseln zu können. Diese Aufgabe wird jedoch nicht mehr Deschamps übernehmen, da sein Rücktritt bereits vor der Endrunde feststand. Als Nachfolger soll Zinedine Zidane bereitstehen, der das Spiel in Arlington von der Tribüne aus verfolgte.
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Source: n-tv.de
