DFB-News: Ex-Richter kritisiert Balogun-Entscheidung als grenzwertige Wettbewerbsmanipulation
Kritik an der Aufhebung der Balogun-Sperre
Die Entscheidung der FIFA, die Rotsperre des US-Stürmers Folarin Balogun aufzuheben, hat weitreichende Kritik hervorgerufen. Hans E. Lorenz, ehemaliger Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, äußerte sich in einem Gespräch kritisch zu dieser Maßnahme. Er bezeichnete die Aussetzung der Sperre als etwas, das einer jahrzehntelangen Rechtsprechung zuwiderlaufe und an Wettbewerbsmanipulation grenze. Lorenz betonte, dass es bisher eine feste Regel der FIFA gewesen sei, dass auf eine Rote Karte mindestens ein Spiel Sperre folgen müsse. Diese Regel diene auch der Stabilisierung der Position des Verbandes.
Obwohl die Möglichkeit, Teile einer Strafe zur Bewährung auszusetzen, grundsätzlich bestehe, sei eine Sperre von einem Spiel für das schwere Foul von Balogun, selbst wenn es unabsichtlich war, bereits außerordentlich milde gewesen. Die zusätzliche Aussetzung dieser Sperre sei ein „fatales Signal“, so Lorenz. Er befürchtet, dass sich nun zahlreiche Verbände und Vereine auf diesen Fall berufen und ebenfalls die Aussetzung von Sperren einfordern werden.
Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf reagierte besorgt auf den Fall Balogun. Er forderte die FIFA auf, sich rasch zu Berichten zu äußern, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll. Neuendorf betonte, dass der Eindruck einer aktiven Einflussnahme der Politik auf den Sport zügig und schlüssig ausgeräumt werden müsse, da es um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA gehe.
Die FIFA hatte die Rotsperre von Balogun aufgehoben, nachdem der 25-Jährige im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina eine Rote Karte erhalten hatte. Er war dabei unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners Tarik Muharemovic gelandet. Berichten zufolge soll Trump bei Infantino angerufen haben, um sich für eine Aussetzung der Sperre des besten US-Torschützen für das WM-Achtelfinale gegen Belgien in Seattle einzusetzen. Laut The Athletic und der Nachrichtenagentur AP sowie der New York Times und dem britischen Guardian bat Trump persönlich um eine Überprüfung der Roten Karte. Der britische Guardian berichtete sogar von drei Anrufen bei der FIFA.

Reaktionen und weitere Entwicklungen
Die UEFA äußerte ebenfalls heftige Kritik an der FIFA-Entscheidung. Sie erklärte, dass die Integrität des Spiels und die Glaubwürdigkeit eines Wettbewerbs gefährdet seien, wenn die Verlässlichkeit der Regeln von ihren Hütern nicht mehr garantiert werde. Die UEFA sieht in der Entscheidung einen Präzedenzfall für das laufende Turnier, bei dem vergleichbare Fälle nun gleich behandelt werden müssten, was dem Wettbewerb schaden könnte. Obwohl kein Funktionär direkt zitiert wurde, gilt UEFA-Präsident Aleksander Ceferin als Gegenspieler von Infantino.
Der belgische Fußballverband hat offenbar Berufung im Fall Balogun eingelegt. Laut The Athletic habe der Verband jedoch weiterhin keine vollständige Begründung für die Aufhebung der Sperre sowie den entsprechenden Bericht der Schiedsrichterkommission von der FIFA erhalten, obwohl diese angefordert worden sei. Der belgische Verband hatte bereits angekündigt, „sämtliche mögliche Optionen“ in dem Fall zu prüfen. Das Portal Politico berichtete zudem, dass auch die UEFA sich zu dem Fall äußern werde, möglicherweise in einer gemeinsamen Aktion mit mehreren nationalen europäischen Fußballverbänden.
Auch Jürgen Klopp zeigte sich entsetzt über den Fall Balogun. Er betonte, dass es keine zwei Meinungen gebe, wenn die Berichte über die Einflussnahme zuträfen. Klopp merkte an, dass die USA immer noch die Möglichkeit hätten, Balogun nicht aufzustellen, wenn sie eine solche Entscheidung nicht akzeptieren wollten. Er fügte hinzu, dass alle unter Fehlentscheidungen leiden würden, aber lernen müssten, damit zu leben, und dies sei eine Tatsachenentscheidung gewesen.
Der norwegische Nationaltrainer Stale Solbakken sprach von einem „großen Fehler“ der FIFA und bezeichnete die Entscheidung als „schlecht, schlecht, schlecht“, was der WM schaden werde. Er äußerte auch Bedauern für die USA, da ein möglicher Sieg immer in der Schwebe hängen würde. Solbakken ist der Ansicht, dass die Entscheidung einen gefährlichen Präzedenzfall schaffe und fragte, was mit der nächsten Roten Karte geschehen werde und ob es künftig ein Gremium geben werde, das solche Karten einfach aufhebe.
Klopp als WM-Experte und mögliche DFB-Rolle
Während der WM sorgte Jürgen Klopp auch als Experte für MagentaTV für Aufsehen. Er wird in dieser Rolle bis zum Ende des Turniers bleiben, wie Arnim Butzen, TV-Chef der Telekom, bestätigte. Das Endspiel findet am 19. Juli in New York/New Jersey statt, wo Klopp zusammen mit Thomas Müller und Mats Hummels als Experten im Einsatz sein wird.
Gleichzeitig werden die Verhandlungen zwischen Klopp und dem DFB konkreter. Eine DFB-Delegation, bestehend aus Präsident Bernd Neuendorf und Ligapräsident Hans-Joachim Watzke, soll in der kommenden Woche in die USA reisen, um direkt mit Klopp über die Nachfolge von Julian Nagelsmann zu sprechen. Watzke ist seit der Zusammenarbeit bei Borussia Dortmund eng mit Klopp verbunden. Klopp befindet sich derzeit in New York, wo er sein WM-Quartier hat.
Christian Heidel, der Jürgen Klopp 2001 zum Trainer von Mainz 05 ernannte, sieht in ihm einen „perfekten Bundestrainer“. Er glaubt, dass ein Bundestrainer nicht mit einem Vereinstrainer zu vergleichen sei und dass Klopps Empathie, Ausstrahlung und Emotionalität seine großen Stärken seien, im Gegensatz zu Julian Nagelsmann. Klopp war bereits in der Vergangenheit immer wieder als potenzieller Nachfolger für den Bundestrainerposten im Gespräch, hatte aber aufgrund seiner Verpflichtungen bei FC Liverpool abgewinkt. Diesmal scheint es jedoch zu einer Einigung zu kommen.
Im Zuge der Neubesetzung des Bundestrainerpostens steht auch die Rolle von Sportdirektor Rudi Völler zur Debatte. Sein DFB-Vertrag läuft noch bis zur EM 2028. Es wird erwartet, dass ein zeitnaher Austausch zwischen Völler und Klopp stattfindet, um die künftige sportliche Leitung der Nationalmannschaft zu klären. Der DFB hatte gestern angekündigt, als ersten Schritt das Gespräch mit Klopp zu suchen, da dieser bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert hat.
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Source: sportschau.de
