Frankfurt: Julian Nagelsmann tritt als Bundestrainer zurück, Jürgen Klopp als Nachfolger im Gespräch
Nagelsmanns Rücktritt und die Suche nach einem Nachfolger
Julian Nagelsmann ist nicht länger Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bestätigte die Auflösung seines Vertrags nach dem frühen Ausscheiden des Teams bei der Weltmeisterschaft. Nagelsmann selbst hatte am Donnerstag um die Vertragsauflösung gebeten, einem Wunsch, dem der DFB nachkam. Sein Vertrag wäre ursprünglich noch bis zur Europameisterschaft 2028 gültig gewesen.
Unmittelbar nach dem Scheitern im Sechzehntelfinale der WM im Elfmeterschießen gegen Paraguay hatte Nagelsmann einen Rücktritt noch ausgeschlossen und im ZDF betont, er sei keiner, der weglaufe. In den darauffolgenden Tagen hatte der mediale Druck auf den Trainer jedoch erheblich zugenommen. Viele Experten, darunter ehemalige Nationalspieler wie Mats Hummels, forderten einen Neuanfang auf der Trainerposition.
Der DFB hat bereits signalisiert, dass er Gespräche mit Jürgen Klopp über die Übernahme des Bundestrainerpostens aufnehmen wird. Klopp, der während der WM als Experte für Magenta TV tätig ist, hat seine grundsätzliche Bereitschaft für diese Aufgabe signalisiert. Er war zuvor langjähriger Trainer des FC Liverpool und von Borussia Dortmund.

Die Verpflichtung Klopps könnte für den DFB jedoch finanziell aufwendig werden. Berichten zufolge soll die Trennung von Nagelsmann bis zu sieben Millionen Euro kosten. Klopps Jahresgehalt könnte sich in ähnlichen oder sogar höheren Dimensionen bewegen. Zudem ist Klopp derzeit als „Head of Global Soccer“ für das Fußballimperium von Red Bull tätig und hat dort einen Vertrag bis 2029. Red Bull könnte eine Ablösesumme für Klopp verlangen, die sich im einstelligen Millionenbereich bewegen soll. Dies wäre ein Novum, da der DFB bisher noch nie eine Ablösesumme für einen Bundestrainer gezahlt hat.
Weitere Personalentscheidungen im DFB
Neben der Neubesetzung des Bundestraineramtes gibt es weitere personelle Veränderungen im DFB. Andreas Rettig, Sport-Geschäftsführer des DFB, hat angekündigt, seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht zu verlängern. Rettig hatte DFB-Präsident Bernd Neuendorf bereits vor Beginn der Weltmeisterschaft über diesen Schritt informiert.
Die Entscheidung Rettigs wurde in der DFB-Mitteilung zum Rücktritt Nagelsmanns bekannt gegeben. Über die Zukunft von Sportdirektor Rudi Völler machte der Verband keine Angaben. Völler war für Nagelsmann der erste Ansprechpartner im Verband.

Nagelsmann entschuldigte sich in der DFB-Mitteilung bei den deutschen Fans für die Enttäuschung und das frühe Ausscheiden bei der WM. Er betonte, dass die Entscheidung zum Rücktritt ihm alles andere als leichtgefallen sei und dass die Mannschaft nach der herben Enttäuschung eine Chance auf einen unbelasteten Neuanfang verdiene. Auch die Assistenten von Nagelsmann, Benjamin Glück und Benjamin Hübner, werden den DFB verlassen.
Hintergrund und mögliche Herausforderungen
Die Gespräche zwischen Nagelsmann und der DFB-Spitze, darunter Präsident Neuendorf, Geschäftsführer Rettig, Sportdirektor Völler und der erste Vizepräsident des DFB, Hans-Joachim Watzke, fanden am Donnerstag in Frankfurt am Main statt. In einem dreistündigen Austausch musste Nagelsmann die Gründe für das frühe Scheitern bei der WM erläutern. Dabei ging es auch um die Kaderzusammenstellung, Personalentscheidungen während des Turniers und das tägliche Miteinander im Basecamp des Teams.
Nach diesen Gesprächen wurde Nagelsmann nahegelegt, einen freiwilligen Rücktritt in Erwägung zu ziehen. Trotz anfänglicher Zurückhaltung bat er schließlich um die Vertragsauflösung. Die Verpflichtung von Klopp könnte auch die Zusammenarbeit mit Red Bull beeinflussen, da der Konzern für seine harte Verhandlungsführung bekannt ist. Oliver Mintzlaff, der Chef von Red Bull, hatte bereits 2021 eine Rekordablöse von 25 Millionen Euro für Nagelsmann beim Wechsel von RB Leipzig zum FC Bayern erzielt.
Die Neuverpflichtung Klopps wäre ein bedeutender Schritt für den DFB, der einen Neuanfang nach dem enttäuschenden WM-Abschneiden anstrebt. Die Verhandlungen mit Red Bull und die Klärung der finanziellen Aspekte werden die nächsten Schritte bestimmen.
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Source: zeit.de
