"Darf ich noch eine Sache sagen?" Interview ist eigentlich vorbei: Athletin macht Ansage
"Darf ich noch eine Sache sagen?" Interview ist eigentlich vorbei: Athletin macht Ansage

Leichtathletik-EM: Smilla Kolbe appelliert gegen Rassismus nach Halbfinal-Aus

Die deutsche Leichtathletin Smilla Kolbe hat nach ihrem knappen Ausscheiden im Halbfinale der Europameisterschaft in Birmingham einen emotionalen Appell gegen rassistische Kommentare in sozialen Medien gerichtet. Die 800-Meter-Läuferin nutzte die Gelegenheit eines Live-Interviews, um auf die Problematik aufmerksam zu machen und mehr Respekt für Sportler zu fordern.

Kolbe verpasste das Finale über 800 Meter um lediglich zwei Hundertstelsekunden. Im Zielspurt des Halbfinals musste sie sich der Französin Clara Liberman geschlagen geben. Obwohl das verpasste Finale für die 24-Jährige frustrierend war, betonte sie, dass es ihr zweitschnellstes Rennen überhaupt gewesen sei.

Appell für Respekt und Vielfalt

Nachdem die ZDF-Reporterin das Interview beenden wollte, fragte Kolbe, ob sie noch etwas sagen dürfe. Anschließend übte die deutsche Meisterin Kritik am Umgang mit Sportlerinnen und Sportlern in den sozialen Medien. Sie äußerte ihre Freude über den Support, den sie und ihre Kollegen erhalten, wies aber gleichzeitig auf „krasse Kommentare“ hin, die sie in den Kommentarspalten mancher Athleten sehe.

„Wir vertreten hier Deutschland und ich erwarte ein bisschen mehr Respekt“, sagte Kolbe. Insbesondere rassistische Kommentare sind der Mittelstreckenläuferin ein Dorn im Auge. Sie erklärte: „Ich freue mich extrem, dass mich so viele supporten. Aber ich will mir nicht vorstellen, wie das wäre, wenn ich nicht so weiß wäre, wie ich bin.“ Sie betonte, dass es ihr wichtig war, dies zu sagen, und forderte von allen Zuschauern den nötigen Respekt, um die Leistungen der Athleten zu würdigen.

Yemisi Mabry
Yemisi Mabry Credit: welt.de

Kolbe nannte keine konkreten Teamkollegen, die von Hasskommentaren betroffen sind, merkte aber an, dass dies unter vielen Posts zu sehen sei. Sie wollte sich auf das Positive konzentrieren, empfand es aber als extrem wichtig, dieses Thema anzusprechen.

Verbandsreaktionen und Schutzmaßnahmen

Das Problem rassistischer Kommentare ist im Sport seit Jahren präsent. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte bereits vor zwei Jahren angekündigt, juristische Schritte gegen solche Kommentare zu prüfen. Jörg Bügner, DLV-Vorstand, erklärte damals, dass der Verband für Vielfalt stehe und die Nationalmannschaft ein Abbild der Gesellschaft sei. Er betonte eine klare Nulltoleranzpolitik gegenüber Rassismus, Hetze, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit.

Bügner äußerte sein Unverständnis darüber, dass solche Vorfälle in der heutigen Zeit noch auftreten, und bezeichnete dies als „sehr rückwärts gerichtet“. Der DLV versprach, alles zu tun, um seine Athleten zu schützen. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat Maßnahmen gegen „Hatespeech“ angekündigt, um Sportler zu schützen.

Kolbe, die zum ersten Mal an Europameisterschaften teilnimmt, nutzte die öffentliche Bühne, um auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen.

Source: t-online.de

Sebastian Roth

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.

Written by

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.

You may also like...