DFB-Sportdirektor Rudi Völler besänftigt nach Niederlage gegen Ecuador
Völler äußert sich nach Ecuador-Spiel
Nach der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador im letzten Gruppenspiel der Fußball-WM 2026 hat DFB-Sportdirektor Rudi Völler versucht, die Gemüter zu beruhigen. Die anfängliche Euphorie um das Team ist nach dem 1:2 verflogen, doch Völler zeigte sich optimistisch und betonte, dass kein Grund zur Sorge bestehe. Er trat auf dem Trainingsgelände der Nationalmannschaft auf und sprach über die aktuelle Situation.
Völler, der seit etwa drei Jahren als Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) tätig ist, wird von Bundestrainer Julian Nagelsmann als väterliche Figur beschrieben. Für Völler ist dies die fünfte WM-Teilnahme, nachdem er bereits als Spieler, Teamchef und nun als Direktor dabei war. Er sah sich in der Rolle eines verbalen Beschützers für Nagelsmann.
Die Kritik nach dem Spiel gegen Ecuador richtete sich gegen den Bundestrainer und die Mannschaft, wobei fehlende Körperlichkeit, umstrittene Spielerwechsel und Probleme in der Offensive thematisiert wurden. Völler erklärte jedoch, dass er sich auf das Positive konzentriere und die Kritik nicht überbewerten wolle. Er erinnerte daran, dass man vor einigen Wochen noch froh gewesen wäre, nach zwei Spieltagen als Gruppenerster festzustehen.
Blick auf das K.o.-Spiel gegen Paraguay
Am Sonntag reisen Nagelsmann und Völler mit der Mannschaft nach Boston, um sich auf das Sechzehntelfinale vorzubereiten. Am Montagabend tritt Deutschland in Foxborough gegen Paraguay an. Dies ist das erste K.o.-Spiel für Nagelsmann bei einer WM. Völler äußerte sich zuversichtlich bezüglich der bevorstehenden Partie und betonte den Glauben an die Mannschaft.
Paraguay wird als eine Mannschaft beschrieben, die zwar nicht spektakulär spielt, aber konsequent verteidigt und um jeden Meter kämpft. Sie gewannen ihr Spiel gegen die Türkei mit 1:0. Völler erwartet ein anspruchsvolles Spiel und forderte von der deutschen Mannschaft, an ihre Grenzen zu gehen. Er betonte, dass es in einem K.o.-Spiel nur zwei Möglichkeiten gäbe: „Runde weiter oder nach Hause fahren.“
Völler strahlte Optimismus aus und verbreitete Zuversicht im deutschen WM-Quartier. Er sah keinen Grund, Nagelsmann ständig verteidigen zu müssen, stärkte ihm aber dennoch den Rücken. Auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen ihm und Nagelsmann antwortete Völler, dass sie eng zusammenarbeiten. Er bezeichnete Nagelsmann als einen Toptrainer, der auch mit unterschiedlichen Meinungen umgehen könne.
Die Spielerwechsel Nagelsmanns gegen Ecuador wurden von vielen kritisch gesehen, insbesondere die Einwechslung von Pascal Groß und die fehlenden Spielminuten für Nick Woltemade. Völler verteidigte die Wechsel als abgesprochen und richtig, da er vorab darüber informiert gewesen sei.

Anforderungen an Offensivspieler und Kimmichs Rolle
Sollte Deutschland gegen Paraguay gewinnen, könnte im Achtelfinale ein Spiel gegen Frankreich folgen, im Viertelfinale möglicherweise gegen die Niederlande und im Halbfinale gegen Europameister Spanien. Völler wollte sich jedoch noch nicht mit solchen zukünftigen Szenarien beschäftigen und betonte die volle Konzentration auf das Spiel gegen Paraguay. Er sagte, die Mannschaft müsse den Gegner ernst nehmen und nicht zu weit vorausblicken.
Dennoch äußerte sich Völler zur Stärke der deutschen Mannschaft und erklärte, dass sie an guten Tagen, wenn sie am Limit spielt, gegen jede Mannschaft gewinnen könne. Er bezeichnete Frankreich als Titelkandidaten, was keine neue Erkenntnis sei. Völler zeigte sich jedoch beruhigt und entspannt, da er wisse, dass die Mannschaft am Montag alles geben werde.
Völler zog ein Fazit der Gruppenphase und lobte die „enorme Leidenschaft und der Kampfgeist“ gegen die Elfenbeinküste sowie die Art und Weise, wie die Mannschaft das zweite Gruppenspiel drehte. Weniger gefallen haben ihm die „unnötigen Ballverluste“ gegen Ecuador. Er betonte, dass man in der Partie gegen Paraguay und generell von Spielern lebe, „die etwas kreieren, die in Dribblings gehen.“ Es sei wichtig, wenige Konter des Gegners zuzulassen, da dies die größte Gefahr darstelle.
Die Fähigkeiten, Chancen zu kreieren und in Dribblings zu gehen, sind die Spezialitäten von Jamal Musiala und Florian Wirtz. Viele Fans in Deutschland machen sich Sorgen um die Form der beiden jungen Offensivspieler. Völler betonte, dass „noch ein bisschen Luft nach oben“ sei, was die Spieler auch wüssten. Er hob die Entwicklung der beiden in den letzten Jahren hervor. Kai Havertz erzielte zwei Tore, Musiala eines und Wirtz keines in der Vorrunde, während Deniz Undav, der immer eingewechselt wurde, drei Tore erzielte.
Völler äußerte sich zu Musiala und Wirtz: „Jetzt geht die WM richtig los. Mein Glaube und meine Hoffnung sind da. Es fehlt nicht mehr viel, das Ding richtig zu zünden.“ Er machte deutlich, dass es funktionieren müsse, um bei dieser WM weit zu kommen. Völler selbst kam 1986 nach einer Verletzung zur WM in Mexiko. Er betonte, dass Spieler es selbst umsetzen müssten, auch wenn man ihnen gut zurede.
Völler merkte an, dass es bei Flo und Jamal nicht mehr weit sei und man das Gefühl habe, sie seien nah dran. Er erwähnte, dass Jamal bereits ein Tor geschossen habe und Florian vielleicht noch viel im Köcher habe, um am Montag oder in den nächsten Spielen damit anzufangen. Der Fokus liege komplett auf dem Montagsspiel, damit sie frisch und brennend seien.
Auch die Diskussion um Kapitän Joshua Kimmich wurde thematisiert. Völler hatte den Spieler des FC Bayern kürzlich als „Fahnenträger“ der deutschen Auswahl bezeichnet. Kimmich ist sehr engagiert, spielt aber bisher keine herausragende WM. Die Frage, ob Nagelsmann ihn von der rechten Verteidigerposition ins zentrale Mittelfeld ziehen sollte, wo Kimmich bei Bayern spielt, kommt seit Monaten immer wieder auf. Völler nahm Kimmich in Schutz und sagte, dass alle mit ihm zufrieden seien, wie er sein Amt als Kapitän ausübe und spiele. Er werde dort spielen, wo es für die Mannschaft am besten sei und helfe enorm, auch auf der aktuellen Position.
Völler hat besondere Erinnerungen an Paraguay. Im Jahr 2002 war er Teamchef der Nationalelf, als Deutschland im Achtelfinale der WM in Japan und Südkorea mit 1:0 gegen die Südamerikaner siegte. Das Tor erzielte damals Oliver Neuville. Völler sagte lächelnd, dass er sich über ein erneutes Ergebnis freuen würde.
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Source: spiegel.de
